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Kleine Wohnung
groß denken.

Von Med Hassan · · 7 Min. Lesezeit

58 m² klingen knapp. In Berlin-Mitte ist das Realität für viele Eigentümer und Investoren. Die Frage ist nicht, ob die Fläche reicht — sondern wie man sie intelligent nutzt. Eine Hochebene als Schlafbereich, eine offene Küche und eine präzise koordinierte Komplettsanierung verwandeln ein durchschnittliches Apartment in einen Raum, der sich deutlich größer anfühlt als er ist. Das Beispielprojekt: 55.000 €, 10 Wochen.

Das Problem kleiner Wohnungen in Berlin

Kleine Wohnungen haben in Berlin eine strukturelle Schwäche: Sie wurden vor Jahrzehnten für andere Wohnformen geplant. Ein separates Schlafzimmer, das kaum für ein Doppelbett reicht. Eine Küche, die vom Wohnraum abgetrennt ist und beide Räume kleiner macht. Flure, die Fläche fressen, ohne Funktion zu bieten.

Die Lösung liegt nicht im Mehr, sondern im Anders. Wer 58 m² in der richtigen Reihenfolge denkt — Raumhöhe nutzen, Trennwände hinterfragen, Licht als Gestaltungsmittel einsetzen — kann mehr herausholen als mit 80 m² in schlechter Aufteilung.

Die Hochebene: Schlafbereich in der dritten Dimension

Altbauten in Berlin haben eine unschätzbare Ressource: Raumhöhe. 3,00 bis 3,50 m Deckenhöhe sind in Gründerzeithäusern Standard. Das reicht für eine Hochebene als Schlafbereich — ein Einbau, der den Wohnbereich darunter freigibt und gleichzeitig eine klare räumliche Trennung schafft, ohne eine Wand zu brauchen.

Im Beispielprojekt wurde eine Hochebene aus Stahlträgern und Holzkonstruktion über dem hinteren Raumbereich eingezogen. Darunter: ein kompakter Arbeitsplatz. Oben: Doppelbett, Beleuchtung, Stauraum. Die Treppe — eine einläufige Stahltreppe mit 90 cm Breite — ist gleichzeitig Regal und Raumteiler.

Wichtig: Eine Hochebene ist keine Standardleistung. Sie braucht einen Statiknachweis, handwerklich präzise Ausführung und sorgfältige Planung der Lüftung (warme Luft steigt nach oben — was im Sommer zum Problem wird). Wer das nicht einplant, schläft im Hochsommer in einem Wärmestau.

Offene Küche: Mehr Raum durch weniger Wand

Die Trennwand zwischen Küche und Wohnraum gehört zu den häufigsten Abrissobjekten bei Berliner Wohnungsumbauten. Und das aus gutem Grund: Wer beide Räume öffnet, gewinnt optisch und funktional. Die Küche wird Teil des Lebensraums. Der Koch ist dabei, statt ausgeschlossen. Das Licht verteilt sich gleichmäßiger.

Im Beispielprojekt wurde die bestehende Küchenwand vollständig entfernt — nach Statikprüfung, denn in manchen Berliner Altbauten sind Küchenwände tragend. An ihrer Stelle: eine Theke aus Betonoptik-Arbeitsplatte, die Küche und Wohnbereich verbindet, ohne sie zu trennen.

Küchenplanung in kleinen Räumen folgt einer Regel: weniger Schränke, mehr Funktion. Zwei tiefe Schubladen schlagen vier flache Schränke. Eine Induktionsfläche ohne Abzugshaube (Umluft) spart Installationsaufwand. Eine Spüle unter dem Fenster bringt Licht an den Arbeitsplatz.

Kostenaufstellung: 55.000 € für 58 m²

Gewerk Anteil Kosten (ca.)
Hochebene (Stahl + Holz + Treppe) 22 % 12.000 €
Küche: Abriss, Installation, Einbau 20 % 11.000 €
Bad komplett neu 18 % 10.000 €
Boden (Estrich + Belag) 10 % 5.500 €
Elektrik & Beleuchtung 9 % 5.000 €
Malerarbeiten 5 % 2.700 €
Planung & Koordination 8 % 4.400 €
Puffer 8 % 4.400 €
Gesamt 100 % 55.000 €

Alle Preise inkl. MwSt. Küche ohne Gerätekosten (Eigenleistung Eigentümer). Stand 2024.

10-Wochen-Zeitplan

10 Wochen sind eng, aber machbar — wenn alle Gewerke früh koordiniert sind und Lieferzeiten für Küche, Hochebene und Sanitär vorab eingeplant werden. Die Küche braucht bei vielen Herstellern 6–8 Wochen Vorlaufzeit; das bedeutet, sie muss in Woche 1 bestellt werden.

Woche 1 Bestellungen (Küche, Hochebene-Material), Abrissarbeiten
Woche 2–3 Rohinstallation Elektrik, Sanitär (Bad und Küche)
Woche 4 Hochebene: Stahlkonstruktion einbauen
Woche 5–6 Bad: Estrich, Fliesen; Trockenbau-Korrekturen
Woche 7 Sanitär-Endmontage Bad, Elektro Teilmontage
Woche 8 Küche einbauen, Anschlüsse herstellen
Woche 9 Bodenbelag, Malerarbeiten, Treppe Hochebene
Woche 10 Abnahmen, Restarbeiten, Übergabe

Was kleine Wohnungen wirklich groß macht

Raumoptimierung ist kein Designthema, sondern ein Planungsthema. Die Entscheidungen, die den Unterschied machen, fallen vor dem ersten Hammerschlag: Wo wird die Hochebene positioniert? Wie verläuft die Lichtführung? Welche Wände fallen — und welche bleiben?

Im Beispielprojekt war die entscheidende Frage: Wo sitzt das natürliche Licht? Die Fensterfront zeigt nach Süden. Die Hochebene wurde deshalb im nördlichen, fensterfernen Bereich positioniert — so bleibt das Licht im Wohnbereich und die Hochebene liegt nicht im Gegenlicht.

Kleine Wohnungen verzeihen Planungsfehler nicht. Was in einem großen Raum als Kompromiss durchgeht, wird in 58 m² zur dauerhaften Störung. Deshalb lohnt sich hier professionelle Planung — nicht als Luxus, sondern als Risikoschutz.

Weiterführend

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